Institutskolloquium Frühjahrssemester 2017

Donnerstag, 17.15 - 18.00 Uhr
Fabrikstrasse 8, Raum B 306
mit anschliessender Diskussion und Apéro

09.03.2017

Prof. Dr. Thomas Lachmann: "Reading as Functional Coordination – A Framework"
Cognitive and Developmental Psychology, Center for Cognitive Science, University of Kaiserslautern

30.03.2017

Prof. Dr. Friedrich Müller: "Wahrnehmung und assoziierte fMRT Signale der Intensität und Hedonik olfaktorischer Stimuli"
Institut für experimentelle Wirtschaftspsychologie, Leuphana Universität Lüneburg

27.04.2017

Prof. Olaf Blanke, PhD, MD: "From Ghost to Robotic Psychiatry"
Brain-Mind Institute, Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL)

04.05.2017

Prof. Dr. Birgit Watzke: "Stepped und Collaborative Care bei Depression: Ergebnisse der Versorgungsforschung zur Verbesserung der Praxis"
Klinische Psychologie mit Schwerpunkt Psychotherapieforschung, Psychologisches Institut, Universität Zürich

 

Prof. Dr. Thomas Lachmann: Reading as Functional Coordination – A Framework

I will introduce the Functional Coordination approach to literacy development. This approach describes the processes involved in learning to read as a form of procedural learning. Pre-existing perceptual and cognitive functions, mainly from the visual and auditory domain, are (1) recruited, (2) modified, and (3) coordinated to create the specific procedures for reading text, which form the basis of subsequent (4) automatization. Developmental dyslexia is explained within this framework as a Functional Coordination Deficit, i.e., a consequence of automatization of abnormally developed functional coordination. This integrative approach is a mere framework, rather than an explanatory theory, and is open to multi-causal explanations. Rather than solving the puzzle, the framework offers a structure for integrating various theories on reading and dyslexia.

 

Prof. Dr. Friedrich  Müller: Wahrnehmung und assoziierte fMRT Signale der Intensität und Hedonik olfaktorischer Stimuli

Ziel der Untersuchung war es, die psychophysischen Beziehungen zwischen der In­tensität und Hedonik von Geruchsreizen und die damit einhergehenden BOLD-Sig­nale zu erkunden. Dabei wurde der psychologischen Messung besondere Aufmerk­samkeit gewidmet. 28 Versuchspartner, die mit Hilfe eines Geruchstests  (Sniffin`-Sticks-Test) aus 40 Personen ausgewählt wurden, nahmen an umfangreichen Expe­rimenten teil. Im ersten Versuchsabschnitt skalierten sie die Intensität olfaktometrisch dargebote­ner Vanille- und H2S-Reizen mit dem Kategorien-Unterteilungs-Verfahren (KU) und deren Angenehmheit anhand einer bipolaren, durch Kategorien veranker­ten Visuel­len Analogskala. Aus den Skalierungsergebnissen wurden subjektiv gleichintensive Stimuluskonzentrationen (deutlich oberhalb der Wahrnehmungs­schwelle, schwache und starke Intensität) bestimmt. Am Folgetag skalierten die Vp Intensität und Hedonik der individuell bestimmten Intensitäten unter realen Bedin­gungen im Tomografen. Erst in einem anschließenden Versuch, in dem die Vpn keine Skalierungsaufgabe zu leisten hatten, wurden die BOLD-Signale zu den glei­chen Stimuli erfasst. Dazu wur­den die gepulsten Stimuli in randomisierter Folge je­weils 20 Sekunden bei Inter-Sti­mulus-Intervallen von 30 Sekunden über die rechten Nasenöffnungen dargeboten. Die Ergebnisse zeigen signifikante Wirkungen des Ge­ruchs (Geruch vs. geruchsfreie Intervalle) in beiden Insulae, beiden Amygdalae und im linken Ventrolate­ralen präfrontalen Cortex. Die Intensität korreliert mit der Aktivität der rechten Amygdala. Die hedonische Bewertung ist negativ korre­liert  mit der Aktivität der rechten Amygdala und beiden Insulae. Soweit entsprechen die gefundenen Daten der Erwartung. Bei kritischer Betrachtung dieser mit den Ergebnissen vergleichbarer Studien lassen sich jedoch keine vergleichbaren Aktivitätsmuster erkennen. Das deutet auf die Notwendigkeit hin, die Methode selbst zum Gegenstand experimenteller Forschung zu machen.   

 

Prof. Olaf Blanke, PhD, MD:

tba

 

Prof. Dr. Birgit Watzke: Stepped und Collaborative Care bei Depression: Ergebnisse der Versorgungsforschung zur Verbesserung der Praxis

Vor dem Hintergrund der bestehenden Defizite bei Screening, Diagnostik und Behandlung von Menschen mit Depression werden neue Versorgungsmodelle wie Stepped und Collaborative Care entwickelt und erprobt. Zielgrössen der Evaluation beziehen sich dabei nicht nur auf die Effektivität und Effizienz dieser Modelle, sondern auch auf deren Feasibility und deren Prozesse, u.a. auf die Behandlungspfade der Patienten. Im Vortrag wird neben einem Überblick zu den aktuellen Herausforderungen bei der Versorgung von Menschen mit Depression das Versorgungsforschungsprojekt „psychenet - Gesundheitnetz Depression“vorgestellt: Dieses untersuchte  im Rahmen einer cluster-randomisierten Studie mit N = 737 Patienten ein leileitliniengestütztes Behandlungsmodell, welches neben Psychotherapie und Pharmakotherapie zusätzlich das Angebot niedrigschwelliger Interventionen (Bibliotherapie, Telefonunterstützung und Internetselbsthilfe) umfasst. Die Ergebnisse werden auch in Hinblick auf eine Implementierung in die Routineversorgung diskutiert.